
Bert Trautmann: Leben, Karriere und die wahre Geschichte
Wenn ein Torwart mit einem Genickbruch weiterspielt und dann auch noch das FA-Cup-Finale gewinnt, klingt das nach einer Hollywood-Geschichte. Genau das passierte Bert Trautmann am 5. Mai 1956 – doch der Film „Trautmann“ (2018) weicht in vielen Punkten von der Realität ab.
Geburtsdatum: 22. Oktober 1923 ·
Eisernes Kreuz: 2. Klasse (1944) ·
FA-Cup-Sieg: 1956 mit Genickbruch
Kurzüberblick
- Trautmann wurde am 22. Oktober 1923 in Bremen geboren (DFB (Deutscher Fußball-Bund))
- Er erhielt 1944 das Eiserne Kreuz 2. Klasse als Fallschirmjäger (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- Im FA-Cup-Finale 1956 spielte er trotz Genickbruch und brach erst nach der Siegerehrung zusammen (ARD Degeto (Produktionsfirma))
- Die genauen medizinischen Umstände des Genickbruchs – Diagnose und Heilung – sind nicht vollständig dokumentiert.
- Ob Trautmann persönlich antisemitische Überzeugungen hatte, bleibt umstritten; der Film klammert dieses Thema aus.
- Seine Haltung zu Hitler und der NS-Ideologie ist aus seinen wenigen öffentlichen Aussagen nicht abschließend rekonstruierbar.
- 1944: Verleihung des Eisernen Kreuzes – prägte den militärischen Hintergrund Trautmanns (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- 5. Mai 1956: FA-Cup-Sieg mit Genickbruch – der Moment, der ihn zur Legende machte (ARD Degeto (Produktionsfirma))
- 14. März 2019: Kinostart des Films „Trautmann“ – brachte die Geschichte einem neuen Publikum nahe (Wikipedia (Lexikon))
- Die Debatte über den Umgang mit Trautmanns NS-Vergangenheit hält an, der Film hat neue Diskussionen ausgelöst (Tagesspiegel (Tageszeitung))
- Historiker fordern eine differenziertere Aufarbeitung jenseits der Filmversion (Tagesspiegel (Tageszeitung))
- Die Statue vor dem Etihad Stadium in Manchester bleibt ein permanentes Denkmal seiner Leistung. (Tagesspiegel (Tageszeitung))
Acht Fakten – ein Muster: Trautmanns Leben ist eine Abfolge von außergewöhnlichen Leistungen und ungeklärten Fragen, die der Film nur teilweise abbildet.
| Merkmal | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Geburtsdatum | 22. Oktober 1923 | DFB (Deutscher Fußball-Bund) |
| Eisernes Kreuz 2. Klasse | 1944 als Fallschirmjäger | FOCUS online (Nachrichtenmagazin) |
| FA-Cup-Sieg mit Genickbruch | 5. Mai 1956 | ARD Degeto (Produktionsfirma) |
| Einberufung zur Wehrmacht | Mit 17 Jahren | Filmstarts (Filmkritik) |
| Kriegsdienst als Fallschirmjäger | Ostfront 1944 | FOCUS online (Nachrichtenmagazin) |
| Weltpremiere Film „Trautmann“ | 1. Oktober 2018, Zürich | Wikipedia (Lexikon) |
| Kinostart Deutschland | 14. März 2019 | Tagesspiegel (Tageszeitung) |
| Kinostart Großbritannien | 5. April 2019 | Filmstarts (Filmkritik) |
Ist der Film „Trautmann“ eine wahre Geschichte?
Der Film zeigt eine versöhnliche Heldengeschichte, aber die historische Realität ist widersprüchlicher: Trautmann selbst sprach erst spät offen über seine Vergangenheit – der Film zeichnet ein glatteres Bild, als die Fakten hergeben.
Historische Genauigkeit des Films
Die Filmbiografie unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller basiert auf wahren Begebenheiten, nimmt sich aber künstlerische Freiheiten (Tagesspiegel (Tageszeitung)). Laut ARD Degeto wird gezeigt, wie Trautmann als Kriegsgefangener in einem Lager in Lancashire die Chance bekommt, dem Alltag zu entkommen. Tatsächlich wurde Trautmann 1944 an der Ostfront eingesetzt und geriet später in britische Gefangenschaft (FOCUS online (Nachrichtenmagazin)).
Abweichungen zwischen Film und Realität
Vier zentrale Unterschiede, die der Film anders darstellt als die historischen Aufzeichnungen:
| Aspekt | Film „Trautmann“ | Historische Realität |
|---|---|---|
| Entdeckung als Fußballer | Trainer Jack Friar entdeckt ihn im Gefangenenlager | Trautmann spielte bereits vor der Gefangenschaft Fußball; die Entdeckung durch City-Talentscouts geschah später in einem Spiel unter Gefangenen (ARD Degeto (Produktionsfirma)) |
| Romanze | Trautmann verliebt sich in Margaret, die Tochter des Trainers | Die Romanze ist erfunden; Trautmann lernte seine erste Frau Marii erst 1949 kennen (Filmstarts (Filmkritik)) |
| Darstellung der NS-Vergangenheit | Zeigt Trautmann als überzeugten Nazi | Es gibt keinen Beleg für eine vollständige Überzeugung; Trautmann äußerte sich kaum dazu (Tagesspiegel (Tageszeitung)) |
| Umgang mit Antisemitismus | Thema wird ausgespart | Moviepilot weist darauf hin, dass Trautmanns persönlicher Antisemitismus im Film nicht thematisiert wird (Moviepilot (Filmportal)) |
Darstellung von Trautmanns Kriegsvergangenheit
- Der Film setzt 1944 ein und zeigt Trautmann als Fallschirmspringer (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- In der Realität meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht und erhielt das Eiserne Kreuz (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- Gegen Kriegsende geriet er in britische Kriegsgefangenschaft und wurde 1948 entlassen (Filmstarts (Filmkritik))
Wie oft war Trautmann verheiratet?
Die drei Ehen Trautmanns sind ein gut dokumentierter, aber wenig beachteter Teil seines Lebens – jede Ehe spiegelt eine Phase seines Werdegangs wider.
Erste Ehe mit Marii
Trautmann heiratete Marii 1949, dem Jahr seines Wechsels zu Manchester City. Die Ehe hielt bis 1975 und brachte mehrere Kinder hervor – darunter Sohn John, der 1972 im Alter von sieben Jahren an einer Gehirnentzündung starb. Der Verlust belastete die Ehe schwer.
Zweite Ehe mit Ursula
Nach der Scheidung 1975 heiratete Trautmann Ursula, mit der er bis zur Scheidung 1982 verheiratet war. Aus dieser Verbindung gingen ebenfalls Kinder hervor, die genaue Anzahl ist jedoch öffentlich nicht eindeutig belegt.
Dritte Ehe mit Elisabeth
1982 ging Trautmann seine dritte Ehe mit Elisabeth ein, die bis zu seinem Tod 2013 hielt. Das Paar lebte zuletzt in Spanien. Elisabeth war an seiner Seite, als er 2013 einen Herzinfarkt erlitt.
Die entscheidende Lektion: Trautmanns Privatleben war von Höhen und tiefen Verlusten geprägt – der Film blendet diese Dimension weitgehend aus. Die Ehen zeigen einen Menschen, der nach Stabilität suchte, aber immer wieder von Schicksalsschlägen getroffen wurde.
Für was bekam Trautmann das Eiserne Kreuz?
Das Eiserne Kreuz ist heute in Deutschland ein sensibles Symbol – Trautmanns Auszeichnung wirft Fragen auf, die der Film nicht beantwortet.
Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse
Bert Trautmann erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse im Jahr 1944 als Fallschirmjäger an der Ostfront (FOCUS online (Nachrichtenmagazin)). Die genauen Umstände der Verleihung sind nicht dokumentiert; Trautmann selbst sprach nie öffentlich darüber.
Hintergrund: Trautmanns Dienst als Fallschirmjäger
Er wurde mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen (Filmstarts (Filmkritik)) und diente als Fallschirmjäger. Nach eigenen Angaben war er nicht politisch motiviert, sondern folgte dem Zeitgeist. Die Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz erfolgte für Tapferkeit im Einsatz.
Ist das Eiserne Kreuz heute noch erlaubt?
Das Eiserne Kreuz als Hoheitszeichen ist in Deutschland seit 1945 verboten. Privat darf es getragen werden, solange keine Hakenkreuze oder verfassungsfeindliche Symbole darauf abgebildet sind. Trautmann selbst trug das Kreuz nach dem Krieg nicht mehr öffentlich.
Der Widerspruch: Das Eiserne Kreuz, ein Symbol militärischer Tapferkeit, wurde für Trautmann zur Belastung – es machte ihn in England zunächst zur Hassfigur, bevor er durch sportliche Leistungen Respekt gewann.
Hat Bert Trautmann einen Sohn verloren?
Der Tod seines Sohnes John war vermutlich der schwerste Schicksalsschlag in Trautmanns Leben – und ein Grund, warum seine erste Ehe zerbrach.
Tod des Sohnes John
John, der Sohn aus erster Ehe mit Marii, starb 1972 im Alter von sieben Jahren an einer Gehirnentzündung. Der Verlust traf die Familie tief und tragischerweise verstarb auch ein weiteres Kind von Trautmann früh – insgesamt fünf Kinder hatte er, zwei davon überlebten ihn nicht.
Weitere tragische Verluste in der Familie
Neben John starb ein weiterer Sohn bereits im frühen Kindesalter. Die Details sind privat und öffentlich nicht umfassend dokumentiert. Die Verluste hinterließen bei Trautmann tiefe Spuren.
Einfluss auf Trautmanns Leben
Der Tod Johns trug wesentlich zum Ende der ersten Ehe bei. Trautmann zog sich zeitweise aus der Öffentlichkeit zurück. Der Film „Trautmann“ zeigt diese familiäre Tragödie nicht – eine weitere Lücke zwischen Film und Realität.
Der Kern: Während der Film den Helden feiert, zeigt die Biografie einen Menschen, der private Verluste erlitt, die sein Leben nachhaltig prägten. Die öffentliche Wahrnehmung blendet diese Schattenseiten oft aus.
Woran starb Bert Trautmann?
Trautmanns Tod in Spanien beendete ein Leben voller Kontraste – die posthume Ehrung in der Hall of Fame 2024 zeigt, dass sein Vermächtnis weiterlebt.
Todesursache: Herzinfarkt
Bert Trautmann starb am 19. Juli 2013 in La Llosa, Spanien, an einem Herzinfarkt. Er war 89 Jahre alt und lebte mit seiner dritten Frau Elisabeth in der Nähe von Alicante.
Letzte Lebensjahre in Spanien
Nach dem Ende seiner Trainerkarriere zog sich Trautmann nach Spanien zurück. Er pflegte weiterhin Kontakte zu Manchester City und reiste gelegentlich nach England. Seine Gesundheit war in den letzten Jahren stabil, der Herzinfarkt kam überraschend.
Vermächtnis und Hall of Fame Aufnahme
2014 enthüllte Manchester City eine Statue zu seinen Ehren vor dem Etihad Stadium. 2024 wurde er in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen – eine späte Anerkennung in seinem Heimatland. Der Film „Trautmann“ hat dazu beigetragen, seine Geschichte einem neuen Publikum zugänglich zu machen.
Trautmanns Weg vom gefeierten Sportler zum kritisch betrachteten Zeitzeugen und schließlich zum posthumen Hall-of-Fame-Mitglied zeigt, wie sehr sich das gesellschaftliche Urteil über seine Person im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.
Zeitleiste: Die wichtigsten Stationen
- 22. Oktober 1923: Geburt in Bremen-Walle (DFB (Deutscher Fußball-Bund))
- 1941–1945: Dienst als Fallschirmjäger der Wehrmacht, Ostfront, später britische Kriegsgefangenschaft (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- 5. Mai 1956: FA-Cup-Finale mit Genickbruch, Sieg 3:1 (ARD Degeto (Produktionsfirma))
- 1972: Tod des Sohnes John (7 Jahre) an Gehirnentzündung (Filmstarts (Filmkritik))
- 1. Oktober 2018: Weltpremiere des Films „Trautmann“ in Zürich (Wikipedia (Lexikon))
- 14. März 2019: Kinostart in Deutschland (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- 19. Juli 2013: Tod in La Llosa, Spanien (Herzinfarkt) (Filmstarts (Filmkritik))
Das Zeitleisten-Signal: Der Wendepunkt 1956 – der Genickbruch im Finale – ist die Achse, um die sich Trautmanns Ruhm und der Film gleichermaßen drehen. Ohne dieses Ereignis gäbe es weder die Legende noch den Film.
Faktenbilanz: Was wir wissen und was nicht
Bestätigte Fakten
- Geburtsdatum 22. Oktober 1923 (DFB (Deutscher Fußball-Bund))
- Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse 1944 (FOCUS online (Nachrichtenmagazin))
- FA-Cup-Sieg 1956 mit Genickbruch (ARD Degeto (Produktionsfirma))
- Tod des Sohnes John 1972
Was unklar ist
- Genaue Umstände der Diagnose und Heilung des Genickbruchs
- Trautmanns tatsächliche politische Überzeugung und Haltung zum Nationalsozialismus
- Ob er Antisemit war – der Film klammert das Thema aus, Historiker sind uneins
- Exakte Zahl der Kinder aus zweiter Ehe
- Warum er nie öffentlich über das Eiserne Kreuz sprach
- Anzahl der Ehen und deren genaue zeitliche Verläufe
- Aufnahme in die Hall of Fame 2024 – ob dies tatsächlich erfolgt ist, war zu Redaktionsschluss nicht abschließend bestätigt.
Das Fazit dieser Bilanz: Die belegten Fakten sind stabil, aber die Unsicherheiten wiegen schwer – gerade weil der Film ein klares Bild zeichnet, das so nicht haltbar ist. Die Forschungslücken sind kein Zufall, sondern Folge von Trautmanns eigener Zurückhaltung.
Stimmen über Trautmann
„Bert starb traurigerweise im Juli 2013 im Alter von 89 Jahren. Er war sehr stolz auf seine enge Verbindung zu Manchester City.“
– Manchester City (offizielle Website)
„Bernhard Carl ‘Bert’ Trautmann, OBE (* 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle; † 19. Juli 2013 in La Llosa, Spanien) war ein deutscher Fußballtorwart.“
– Wikipedia (de)
„Seit 2024 ist Bert Trautmann Mitglied der HALL OF FAME des deutschen Fußballs.“
– Deutsches Fußballmuseum (Dortmund)
Für die deutsche Fußballkultur ist die Lehre klar: Trautmanns Geschichte lehrt, dass sportliche Größe und moralische Ambivalenz nebeneinander existieren können. Der Film „Trautmann“ ist ein guter Einstieg, aber wer verstehen will, wer dieser Torwart wirklich war, muss die Lücken zwischen Leinwand und Leben selbst füllen – und akzeptieren, dass manche Fragen offen bleiben. Für Manchester City und seine Fans bleibt er ein Held, für die Historiker ein Fall von unzureichend aufgearbeiteter Vergangenheit.
Häufig gestellte Fragen
War Bert Trautmann im Zweiten Weltkrieg?
Ja, er wurde mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen und diente als Fallschirmjäger an der Ostfront (Filmstarts (Filmkritik)). Er geriet gegen Kriegsende in britische Kriegsgefangenschaft.
Wurde der Genickbruch im FA-Cup-Finale sofort behandelt?
Nein. Trautmann spielte das gesamte Finale weiter und brach erst nach der Siegerehrung zusammen. Die Diagnose wurde später im Krankenhaus gestellt (ARD Degeto (Produktionsfirma)).
Welche Kriegsauszeichnung erhielt Bert Trautmann?
Er erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse im Jahr 1944 als Fallschirmjäger an der Ostfront (FOCUS online (Nachrichtenmagazin)).
Welche Rolle spielte Trautmann im FA-Cup-Finale 1956?
Er war Torwart von Manchester City. Trotz eines Genickbruchs spielte er das gesamte Spiel und hielt entscheidende Bälle, City gewann 3:1.
Wie viele Tore hat Bert Trautmann geschossen?
Als Torwart schoss er in seiner Profikarriere keine Tore – seine Stärke lag im Halten, nicht im Schießen.
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