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Nuklearmedizin in der Nähe: Praxis, Kosten & Ablauf

Niklas Julian Hoffmann Richter • 2026-06-05 • Gepruft von Sofia Wagner

Sie haben eine Überweisung für eine nuklearmedizinische Untersuchung bekommen, aber kein Grund zur Verunsicherung: Die Nuklearmedizin ist ein etabliertes Fachgebiet, das radioaktive Substanzen nutzt, um Stoffwechselvorgänge sichtbar zu machen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine Praxis in Ihrer Nähe finden, was eine Untersuchung kostet und worauf Sie bei der Vorbereitung achten sollten.

Fachärzte für Nuklearmedizin in Deutschland: Rund 700 (Stand 2022, Bundesärztekammer) ·
Jährliche Szintigraphien in Deutschland: Über 3 Millionen (Schätzung der Deutschen Röntgengesellschaft) ·
Durchschnittliche Kosten einer Szintigraphie: 150–400 Euro (je nach Kasse und Körperregion) ·
Typische Wartezeit auf einen Termin: 2–4 Wochen (abhängig von Region und Dringlichkeit)

Kurzüberblick

1Was ist Nuklearmedizin?
2Häufige Anwendungen
  • Schilddrüsendiagnostik und -therapie
  • Tumorsuche mit PET-CT (Schilddrüsendiagnostik)
  • Knochenszintigraphie bei Metastasen (Schilddrüsendiagnostik)
3Praxis finden
4Kosten & Dauer
  • Kassenleistung mit Überweisung
  • Private Kosten: 100–2.500 €
  • Untersuchung dauert 30 Min. bis 3 Std.

Die wichtigsten Kennzahlen zur Nuklearmedizin auf einen Blick.

Wichtige Kennzahlen zur Nuklearmedizin in Deutschland
Fachärzte in Deutschland ca. 700 Nuklearmediziner (2022)
Jährliche Szintigraphien über 3 Millionen
Häufigste Anwendung Schilddrüsendiagnostik
Typische Strahlenbelastung (Schilddrüsenszintigraphie) ca. 1 mSv (entspricht etwa einer Röntgen-Thorax-Aufnahme)

Was ist Nuklearmedizin?

Grundprinzip der Nuklearmedizin

  • Die Nuklearmedizin nutzt offene radioaktive Stoffe (Radiopharmaka) zur Diagnose und Therapie. Im Gegensatz zur Radiologie wird die Strahlung von innen heraus abgegeben.
  • Sie wird vor allem bei Schilddrüsen-, Herz- und Tumorerkrankungen eingesetzt (Deutsche Röntgengesellschaft).
  • Die Strahlenbelastung ist meist geringer als bei vergleichbaren Röntgenuntersuchungen – eine Schilddrüsenszintigraphie liegt bei etwa 1 mSv, vergleichbar mit einer Röntgen-Thorax-Aufnahme.

Anwendung von radioaktiven Substanzen (Radiopharmaka)

Dem Patienten wird ein schwach radioaktives Mittel injiziert, geschluckt oder inhaliert. Dieses reichert sich je nach Präparat in bestimmten Organen an – etwa Jod-123 in der Schilddrüse oder Technetium-99m im Skelett. Eine spezielle Kamera misst dann die Strahlung und erstellt ein funktionelles Bild des Stoffwechsels.

Bildgebende Verfahren: Szintigraphie, PET-CT, SPECT

  • Die Szintigraphie ist das Basisverfahren – eine Aufnahme nach Gabe des Radiopharmakons. Dauer: 20 bis 60 Minuten.
  • Die PET-CT (Positronen-Emissions-Tomographie kombiniert mit CT) liefert hochauflösende Schnittbilder und wird häufig in der Tumordiagnostik eingesetzt.
  • Die SPECT (Single-Photon-Emissions-Computer-Tomographie) erzeugt dreidimensionale Darstellungen, etwa zur Durchblutungsmessung des Herzens.
Fazit: Die Nuklearmedizin ist kein vages Verfahren, sondern ein präzises Diagnose- und Therapiewerkzeug. Für Patienten bedeutet sie: gezieltere Behandlung durch frühzeitige Erkennung von Stoffwechselstörungen – bei vergleichsweise niedriger Strahlendosis.

Welche Krankheiten werden in der Nuklearmedizin behandelt?

Schilddrüsenerkrankungen (Überfunktion, Knoten, Krebs)

Die häufigste Anwendung der Nuklearmedizin betrifft die Schilddrüse. Eine Szintigraphie zeigt, ob Knoten heiße (überfunktionierende) oder kalte (unterfunktionierende) Areale sind. Die Radiojodtherapie ist eine Standardbehandlung bei Schilddrüsenüberfunktion und -krebs – das radioaktive Jod wird gezielt von Schilddrüsenzellen aufgenommen und zerstört diese.

Tumorerkrankungen (Diagnose und Therapie, z. B. Radiojodtherapie)

Die PET-CT wird zur Primärdiagnostik, zum Staging und zur Verlaufskontrolle vieler Krebsarten eingesetzt. Auch die Radiosynoviorthese – die Bestrahlung entzündeter Gelenke von innen – zählt zu den nuklearmedizinischen Therapien (MVZ Konstanz, nuklearmedizinische Abteilung).

Herzerkrankungen (Durchblutungsstörungen, Entzündungen)

Die Myokardszintigraphie prüft die Durchblutung des Herzmuskels. Das Klinikum St. Georg in Leipzig beschreibt den Ablauf als zweiteilig: eine Belastungs- und eine Ruheuntersuchung, jeweils etwa eine Stunde.

Knochenerkrankungen (Metastasen, Entzündungen)

Die Skelettszintigraphie ist ein Standardverfahren, um Knochenmetastasen oder entzündliche Veränderungen früh zu erkennen. In der Praxis in Weiden wird zuerst 99mTc-HDP in eine Vene injiziert, dann müssen Patienten zwei Stunden lang ausreichend trinken, bevor die Aufnahme beginnt.

Fazit: Die Nuklearmedizin deckt ein breites Spektrum ab – von der Schilddrüse über das Herz bis zum Skelett. Für Krebspatienten ist sie oft der Schlüssel zur präzisen Therapieplanung.

Was ist der Unterschied zwischen Radiologie und Nuklearmedizin?

Vier Unterschiede, ein Prinzip: Beide Verfahren nutzen Strahlung, aber auf völlig unterschiedliche Weise. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.

Merkmal Radiologie Nuklearmedizin
Strahlungsquelle Extern (Röntgenröhre) Intern (aus dem Körper)
Bildgebendes Prinzip Anatomisch (Strukturen) Funktionell (Stoffwechsel)
Typische Strahlendosis Ca. 0,1–10 mSv je nach Aufnahme Ca. 1–10 mSv (z. B. PET-CT bis 25 mSv)
Einsatzschwerpunkt Knochenbrüche, Lungenentzündung, Tumore (Morphologie) Schilddrüsenfunktion, Tumorsuche, Durchblutung
Kombinierte Verfahren Hybridbildgebung: PET-CT, SPECT-CT
Warum dieser Unterschied zählt

Radiologie zeigt, wo etwas liegt. Nuklearmedizin zeigt, ob es arbeitet. Für die Krebsdiagnostik ist die Kombination beider Verfahren (PET-CT) oft entscheidend, weil sie Struktur und Funktion in einem Bild vereint.

Vorteile der Nuklearmedizin

  • Früherkennung von Stoffwechselveränderungen, bevor Strukturveränderungen sichtbar sind
  • Gezielte Therapie (z. B. Radiojodtherapie)
  • Geringe Strahlenbelastung bei vielen Untersuchungen

Nachteile der Nuklearmedizin

  • Längere Wartezeiten nach der Injektion (bis zu 3 Stunden)
  • Nicht überall verfügbar (rund 700 Fachärzte in Deutschland)
  • Kosten bei Selbstzahlern teilweise hoch (PET-CT bis 2.500 €)

Was bedeutet das für Patienten: Die Nuklearmedizin und Radiologie ergänzen sich ideal, insbesondere in der Krebsdiagnostik.

Wie läuft eine nuklearmedizinische Untersuchung ab?

  1. Vorbereitung (Nüchternheit, Medikamentenpausen)
  2. Verabreichung des Radiopharmakons (Spritze oder Kapsel)
  3. Wartezeit bis zur Aufnahme (je nach Organ 15 Minuten bis 3 Stunden)
  4. Durchführung der Messung (Szintigraphie, PET oder SPECT)
  5. Nachsorge und Strahlenschutzmaßnahmen

Vorbereitung (Nüchternheit, Medikamentenpausen)

Vor einer Schilddrüsenszintigraphie sollten Sie jodhaltige Mittel (z. B. Kontrastmittel, Schilddrüsenhormone, jodhaltiges Salz) meiden. Fragen Sie in der Praxis nach genauen Vorgaben – die Vorbereitung variiert je nach Untersuchung (Die Radiologen Dortmund, Praxis für Nuklearmedizin).

Verabreichung des Radiopharmakons (Spritze oder Kapsel)

Das radioaktive Mittel wird meist intravenös injiziert, seltener als Kapsel geschluckt. Der Einstich ist kurz, die Substanz verteilt sich im Körper.

Wartezeit bis zur Aufnahme

  • Schilddrüse: ca. 20 Minuten
  • Skelett: bis zu 3 Stunden – in dieser Zeit müssen Sie ausreichend trinken (MVZ Nordoberpfalz Weiden, Klinik für Nuklearmedizin).
  • Herz (Myokardszintigraphie): Belastungsteil (Ergometer oder Medikament) und Ruheteil, jeweils ca. 1 Stunde.

Durchführung der Messung

Sie liegen auf einer Liege, während eine Gammakamera oder ein PET-Scanner die Strahlung misst. Die Aufnahme selbst ist schmerzfrei und dauert je nach Verfahren 15 bis 60 Minuten. Das Klinikum St. Georg in Leipzig gibt für manche Untersuchungen eine Gesamtzeit von etwa vier Stunden inklusive Wartezeit an.

Nachsorge und Strahlenschutzmaßnahmen

Nach der Untersuchung können Sie meist sofort nach Hause. Trinken Sie viel, damit das Radiopharmakon schneller ausgeschieden wird. Bei höheren Dosen (z. B. Radiojodtherapie) kann ein kurzzeitiger Abstand zu Schwangeren und Kleinkindern empfohlen werden. Die Praxis wird Sie gesondert beraten.

Das sollten Sie wissen

Keine Angst vor der Radioaktivität: Die Dosis ist medizinisch streng kontrolliert und liegt im Bereich einer normalen Röntgenaufnahme. Nach 24 Stunden ist der Großteil der Substanz ausgeschieden.

Die Implikation: Eine gute Vorbereitung und Geduld bei der Wartezeit sind der Schlüssel zur aussagekräftigen Diagnose.

Was kostet eine Untersuchung in der Nuklearmedizin?

Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung

Wenn Ihr Arzt eine nuklearmedizinische Untersuchung für medizinisch notwendig hält, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten – vorausgesetzt, die Praxis ist zur Abrechnung mit der Kasse zugelassen. Sie benötigen eine Überweisung.

Private Krankenversicherung und Selbstzahler

Privatversicherte und Selbstzahler zahlen nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Eine Schilddrüsenszintigraphie kostet privat etwa 100–150 Euro. Ein PET-CT kann zwischen 1.200 und 2.500 Euro kosten, je nach Indikation und Region.

Preisspannen für häufige Untersuchungen

Die folgende Tabelle fasst die üblichen Preise für Selbstzahler zusammen.

Untersuchung Preisspanne (privat, ca.)
Schilddrüsenszintigraphie 100–150 €
Knochenszintigraphie 150–250 €
Myokardszintigraphie 200–400 €
PET-CT (Ganzkörper) 1.200–2.500 €

Beispiele für Zuzahlungen und IGeL-Leistungen

Manche Praxen bieten Untersuchungen als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) an – etwa eine Ganzkörper-PET-CT zur Früherkennung ohne medizinischen Anlass. Hier müssen Sie die Kosten vollständig selbst tragen. Die Praxis in Dortmund bietet Schilddrüsendiagnostik für Selbstzahler und Privatpatienten an – inklusive Beratung, Untersuchung und Sonografie für etwa 50 Euro, plus Szintigraphie für etwa 75 Euro.

Das ist die Kostenfalle

Nicht jede Praxis ist für Kassenpatienten zugelassen. Fragen Sie vor dem Termin nach, ob die Praxis mit Ihrer Krankenkasse abrechnet. Sonst kann eine vermeintlich kostenfreie Untersuchung schnell zur Rechnung führen.

Die Konsequenz: Vor dem Termin die Abrechnungsmodalitäten zu klären, schützt vor unerwarteten Kosten.

Bestätigte Fakten & Was unklar ist

Bestätigte Fakten

  • Die Nuklearmedizin ist ein anerkanntes medizinisches Fachgebiet.
  • Die Radiojodtherapie ist eine Standardbehandlung bei Schilddrüsenüberfunktion und -krebs.
  • Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten bei medizinischer Notwendigkeit.

Was unklar ist

  • Die genauen Preise für PET-CT variieren stark je nach Region und Indikation.
  • Die Wartezeiten auf einen Termin können regional unterschiedlich sein – eine flächendeckende Übersicht fehlt.
  • Die exakten Preise für Szintigraphie und PET-CT sind nicht bundesweit einheitlich festgelegt.

Das Muster: Während die Grundlagen klar sind, hängen viele Detailfragen vom Einzelfall ab – eine individuelle Nachfrage in der Praxis ist unerlässlich.

Erfahrungsberichte

„Die funktionelle Bildgebung hat bei vielen unserer Krebspatienten die Diagnose früher ermöglicht als es ein CT oder MRT allein gekonnt hätte. Gerade bei der Frage, ob ein Tumor aktiv ist, liefert die Nuklearmedizin entscheidende Hinweise.“

– Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Biersack, ehem. Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin

„Ich hatte eine Radiojodtherapie wegen Schilddrüsenüberfunktion. Die Vorbereitung war einfach: Kapsel schlucken, dann zwei Tage im Krankenhaus auf einem Zimmer allein. Nach ein paar Wochen ging es mir viel besser – die Angst vor der Radioaktivität war unnötig.“

– Patientin (anonymisiert, Erfahrungsbericht)

Fazit: Was bedeutet das für Sie?

Die Nuklearmedizin ist ein starkes diagnostisches und therapeutisches Werkzeug, das in Deutschland flächendeckend verfügbar ist – allerdings mit regionalen Unterschieden bei Wartezeiten und Kosten. Für gesetzlich Versicherte ist die Hürde niedrig: Sie brauchen eine Überweisung vom Hausarzt, die Kosten übernimmt die Kasse. Wer eine Nuklearmedizin-Praxis sucht, sollte auf Facharztstandard achten und vor dem Termin die genauen Modalitäten klären – insbesondere bei Selbstzahlern. Patienten, die diese Punkte beachten, können die Nuklearmedizin gezielt für ihre Gesundheit nutzen. Lesen Sie auch unseren Leitfaden zur Strahlentherapie in Ihrer Nähe. Der Verwandte Beitrag Wie sieht Zungenkrebs aus? ergänzt das Thema Krebsfrüherkennung.

Häufig gestellte Fragen

Ist Nuklearmedizin gefährlich?

Nein, die Strahlendosis ist medizinisch streng reguliert und liegt im Bereich von Röntgenaufnahmen. Die Vorteile der Diagnose überwiegen das minimale Risiko bei weitem.

Wie lange bleibt die Radioaktivität nach einer Untersuchung im Körper?

Die meisten Radiopharmaka werden innerhalb von 24 Stunden über den Urin ausgeschieden. Trinken Sie viel, um den Prozess zu beschleunigen.

Kann ich nach einer nuklearmedizinischen Untersuchung Auto fahren?

In der Regel ja, da keine Sedierung verwendet wird. Bei der PET-CT kann die Wartezeit jedoch ermüdend sein – fragen Sie im Zweifel in der Praxis.

Welche Nebenwirkungen hat eine Radiojodtherapie?

Häufig vorübergehende Halsschmerzen, Geschmacksstörungen oder leichte Übelkeit. Schwere Nebenwirkungen sind selten.

Darf ich nach einer Szintigraphie schwanger werden oder stillen?

Schwangere sollten nuklearmedizinische Untersuchungen meiden. Nach einer Szintigraphie wird empfohlen, mindestens 24 Stunden zu warten, bevor Sie stillen – am besten mit der Praxis abklären.

Brauche ich für eine nuklearmedizinische Untersuchung eine Überweisung?

Ja, für Kassenpatienten ist eine Überweisung vom Facharzt oder Hausarzt erforderlich. Ohne Überweisung gilt die Untersuchung als Selbstzahlerleistung.

Wie finde ich eine gute nuklearmedizinische Praxis in meiner Nähe?

Nutzen Sie Online-Praxisfinder wie med360grad oder die Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigungen. Achten Sie auf Bewertungen und Öffnungszeiten – die Praxis am Schwabentor in Freiburg bietet z. B. Sprechzeiten von Montag bis Donnerstag 08:00–17:00 Uhr und Freitag 08:00–14:00 Uhr.



Niklas Julian Hoffmann Richter

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